Kreischorverband Westthüringen

Echte Hingucker

aus CHORZEIT Nr. 32

Gutes Bildmaterial, also nicht 08/15-Gruppenfotos, sondern eine originelle Bildidee, ein Hingucker eben, ist stets zielführender im Anzeigen- und Werbebereich. Zwar muss zuerst das Thema, der Chor interessieren, bevor man sich an die Sichtung des Bildmaterials macht – dennoch ist es immer hilfreich, gleich ein, zwei gute Motive als Promomaterial mitzusenden. Deren Qualität kann den letzten Kick auslösen, um über eine Veranstaltung zu berichten. Bei Tagestipps im Kalenderteil konkurrieren zum Beispiel oft mehrere Veranstaltungen um Platz – hier könnte die Qualität des Bildes den letzten Ausschlag geben. Bevor Sie schlechtes Bildmaterial veröffentlichen, verzichten Sie lieber darauf.

Was aber macht ein gutes Pressefoto aus? Für den Abdruck müssen bestimmte Mindestvoraussetzungen erfüllt sein: Ein unscharfes, schlecht ausgeleuchtetes Bild hat keine Chance, ebenso wenig eines, das eine zu kleine Auflösung hat, also zu wenig Pixel pro Zoll, englisch: dost per inch (dpi) es würde gedruckt unschön grobkörnig aussehen. Das Minimum sind 300 dpi beziehungsweise eine Längen- und Breitenabmessung von jeweils mindestens 1.000 Pixeln. Faustregel: Unter einer Größe von einem Megabyte lässt sich ein Foto selten abdrucken. Beim Übermitteln machen sich am besten ein kleines Vorschaubild im Anhang der Pressemitteilungs-Mail sowie ein Link zum Downloadebereich auf der Chor-Website. Ganz wichtig ist, den Fotografen für die Copyrightangabe im Dateinamen zu nennen.

Sind die Standardkriterien erfüllt, entscheidet die Originalität des Fotos. Schummrige, verwischte Konzertfotos mit aufgerissenen Mündern, halb von Mikros verdeckten Gesichtern, einem breiten Dirigentenrücken im Vordergrund und mehr Bühne als Chor im Bild kommen schon mal nicht in Frage. Alle Choristen in schwarzer Kleidung starr auf einem Haufen – das wirkt wenig ansprechend. Stattdessen machen ungewöhnliche Orte – eine Rolltreppe, ein Museumssaal, ein Schiff – ein Bild interessant. Und eben eine gewisse Dynamik und Bewegung. Ein Foto, das diese Kriterien erfüllt, knipst man nicht mal eben so zwischen Generalprobe und Konzert auf den Kirchenstufen.img_0150

Die Investition in einen professionellen Fotografen und ein mehrstündiges Shooting lohnen sich. Was dies kostet, muss von Fall zu Fall verhandelt werden – aber da sind FotografInnen meist bereit, gemeinnützigen Vereinen entgegenzukommen. Wenn auch nach oben kaum Grenzen gesetzt sind, kommen etwa Beleuchtungsequipment, ein Assistent oder eine Visagistin hinzu. Dem Shooting sollten folgende Überlegungen vorausgehen: Wie sehen wir uns und welches Bild wollen wir vermitteln? Wofür brauchen wir die Fotos – für Presse, als Gestaltungselement von Plakaten, Flyern, Homepage? Und wie lange werden wir sie voraussichtlich verwenden?

Bei der Wahl des  Ortes ist es wichtig, dass die Umgebung zusammen mit den Portraitierten ein aussagekräftiges Bild ergibt, dass sie die Persönlichkeit unterstreicht, ohne sie zu überschatten. Studioaufnahmen sind daher oft weniger geeignet. Von zu unruhigen Bildhintergründen sollte man allerdings Abstand nehmen, denn diese lenken von der zentralen Botschaft des Bildes ab.

Bei der Inszenierung sollte immer mitbedacht werden, dass Fotos immer mehr Chancen auf Veröffentlichung haben, wenn sie sowohl in einer quer- wie in einer hochformatigen Variante vorliegen. Bei großen Ensembles ist es oft problematisch, auf klein abgedruckten Fotos kaum noch etwas von einzelnen Individuen erkennen zu können. Daher ist es empfehlenswert, zusätzlich einige Close-ups /kleinere Gruppen, Detailaufnahmen) mit wenigen SängerInnen machen zu lassen. Wünschenswert ist eine frischere Bildsprache und mehr Dynamik in den Fotos klassischer Ensembles.

Eine Methode für mehr Offenheit und Bewegung im Bild ist es beispielsweise, die SängerInnen sich langsam bewegen zu lassen – vielleicht um die eigene Achse. Auf Kommando bleiben dann alle so stehen, wie sie gerade sind und wenden den Blick Richtung Kamera. Allein die so entstehenden unterschiedlichen Körperhaltungen verhindern einen starren Zinnsoldaten-Effekt. Gerne kann der Chor auch vor dem Shooting ohne Kamera ein bisschen probieren und so gar nicht erst eine gewisse Verkrampftheit angesichts der ungewohnten Situation entstehen lassen.

Aber wie gelingt es, dass wirklich alle in die Kamera schauen und nicht irgendwer blinzelt oder unvorteilhaft dreinschaut? Der Fotograf/die Fotografin braucht in diesem Moment die volle Aufmerksamkeit des Chores. Gleich einem Dirigenten beim Konzert – im Idealfall. Jedes Chormitglied sollte ganz präsent und diszipliniert bei der Sache sein. Die Bereitschaft eines Chores, den Aufwand eines Shootings samt Anfahrt und Vorbereitung auf sich zu nehmen, ist die wichtigste Vorraussetzung für ein überzeugendes Ergebnis.